Seit einiger Zeit engagiert sich Anni ehrenamtlich in der Kinder- und Familienhilfe bei MUT. Sie hat im März ihr Psychologiestudium abgeschlossen – und bringt ihr Wissen und Erfahrung aus psychosozialen Praktika dort ein, wo es am dringendsten gebraucht wird: direkt bei den Menschen.
Im Frauencafé und in der Mutter-Kind-Einrichtung “Refugium” begleitet sie regelmäßig Frauen in herausfordernden Lebenssituationen – in Einzelgesprächen, in Gruppen und in Workshops. Ihr Fokus liegt dabei auf einem Thema, das oft unterschätzt wird und doch alles beeinflusst: Beziehungen.
„Es geht nicht nur um Partnerschaften – sondern auch um die Beziehung zu sich selbst und zum eigenen Kind. Gerade in belastenden Situationen gerät das oft aus dem Gleichgewicht.“
Besonders wichtig ist ihr dabei ein stärkenorientierter Ansatz. In Workshops arbeitet sie gezielt daran, diese Stärken wieder sichtbar zu machen – und schafft Räume, in denen sich Frauen gegenseitig unterstützen und bestärken können.
„Viele Frauen sehen oft nur, was gerade nicht funktioniert, dabei muss man vorhandene Ressourcen wieder aktivieren.“
Der Bedarf ist groß. Und er ist kein Zufall.
Die Herausforderungen, mit denen viele Frauen konfrontiert sind, sind nicht nur individuell –sondern strukturell.
„Unterstützungsangebote gibt es viele – aber sie kommen meistens zu spät. Wochen oder Monate später. In akuten Situationen hilft das einfach nicht.“
Hinzu kommen bürokratische Hürden, die für viele kaum zu bewältigen sind.
„Gerade wenn man ohnehin am Limit ist, fehlt die Kraft, sich durch Anträge und Zuständigkeiten zu kämpfen.“
Dabei leben wir in einem Sozialstaat – zumindest auf dem Papier.
„Eigentlich sollte das alles kein Thema sein. Aber es ist eines. Und viele sehen es nicht.“
Ein zentrales Problem sieht Anni in der fehlenden Sichtbarkeit.
„Viele wissen gar nicht, wie die Lebensrealität von Alleinerziehenden wirklich aussieht.“
Zwar habe sich in den letzten Jahren einiges bewegt, doch es brauche deutlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Aufklärung.
„Es braucht mehr Bewusstseinsbildung – und vor allem mehr Sichtbarkeit.“
Und vor allem eins – Umdenken.
Für Anni ist klar: Die Verantwortung darf nicht bei den Betroffenen allein liegen.
„Das ist kein Frauenthema. Das ist ein Gesellschaftsthema.“
Das bedeutet auch, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen und aufzubrechen – und Männer aktiv in die Veränderung einzubeziehen.
„Wenn wir anfangen, das Thema nur in bestimmten ‚Bubbles‘ zu diskutieren, verlieren wir den Blick für das Ganze.“
Die Arbeit des Vereins MUT zeigt, wie viel durch direkte Unterstützung möglich ist – wenn sie rechtzeitig kommt und auf Augenhöhe passiert
„Der Tante Nele Laden und die Kinder- und Familienhilfe von MUT sind so wertvoll, weil sie niederschwellig, schnell und unbürokratisch Hilfe ermöglichen – genau dort, wo sie gerade gebraucht wird.“
Zwischen persönlichem Engagement und strukturellen Lücken entsteht ein Bild, das zum Nachdenken anregt – und zum Handeln auffordert.
Denn echte Unterstützung beginnt nicht erst dann, wenn Systeme greifen.
Sondern dort, wo Menschen hinschauen und handeln!